Reflexintegration

Frühkindliche Reflexe

Frühkindliche Reflexe (auch frühkindliche Reaktionen oder Bewegungsmuster genannt) sind automatische, vom Hirnstamm ausgelöste Reaktionen mit denen jeder Mensch geboren wird. Sie werden durch bestimmte Kopfbewegungen oder plötzliche Sinnesreize aktiviert. Der Hirnstamm überwacht lebenswichtige Funktionen wie Herzschlag und Atmung und agiert grundsätzlich außerhalb unserer bewussten Kontrolle. So auch bei den frühkindlichen Reflexen - sie werden ausgelöst, ob wir es wollen oder nicht. Der Betroffene ist dadurch in einer Situation, die er zunächst nicht beeinflussen kann.

Innerhalb des ersten Lebensjahres haben die frühkindliche Reflexe lebenswichtige Aufgaben. Sie verhelfen während der Schwangerschaft zu einer ersten Tonisierung des Leibes, und zu einer aktiven Unterstützung des Geburtsprozesses. Nach der Geburt helfen sie dem recht hilflosen Säugling, den Übergang in die neuen Erdverhältnisse zu vollziehen, das heißt den Anforderungen der Schwerkraft, der Atmung und der Sinneswahrnehmungen gerecht zu werden.

Am Ende des ersten Lebensjahres sollten die meisten Reflexe in höhere, bewusste Hirnfunktionen „integriert“ werden und damit nicht mehr auslösbar sein. Wenn die frühkindlichen Reflexe länger aktiv bleiben, spricht man von einer neuromotorischen Unreife. Dies bedeutet, dass man über das erste Lebensjahr hinaus – eventuell bis ins Erwachsenenalter – auf bestimmte körperliche Reaktionen wenig Einfluss hat. Die Fähigkeit, sich frei zu bewegen kann damit beeinträchtigt sein. Auch bestimmte seelische Reaktionen können betroffen sein und emotionale und  Wahrnehmungsfähigkeiten auf verschiedenste Weise, bis ins Sozialverhalten, beeinflusst werden.

Therapeutischer Ansatz

Meine Aufgabe ist es, durch eine genaue diagnostische Beurteilung den aktuellen Entwicklungsstand festzustellen, und gemeinsam mit den Betroffenen ein häusliches Übungsprogramm zu erarbeiten, das genau auf seine Bedürfnisse abgestimmt ist. Ich arbeite mit zwei verschiedene Methoden, INPP und Blomberg Rhythmische Bewegungs Training. Durch gezielte, täglich wiederholte Übungen kann die nachträgliche Ausreifung und Hemmung unreifer Reflexaktivität, sowie die Entwicklung der lebenslangen Haltungsreflexe angeregt werden. Damit werden die basalen senso-motorischen Voraussetzungen für höhere Hirnfunktionen, adäquate emotionale Reaktionen und eine reife Bewegungskontrolle verbessert.

So kann das Kind - oder Erwachsene - „Herr oder Frau des eigenen Hauses“ werden, in seinem Körper ankommen, in sich ruhen, sich in seiner Haut wohl fühlen, sich konzentrieren, seine Umwelt wahrnehmen und mit anderen in Beziehung treten, ohne nur reaktiv zu handeln.

Weiterführende Quellen:
INPP Deutschland - www.inpp.de

Blomberg Rhythmic Movement Training (BRMT) - www.blombergrmt.iak-freiburg.de

Fragebogen für Eltern